Das Thema ist noch lange nicht durchgekaut und auch nicht erschöpft : Nachhaltigkeit!
Am Freitag, den 11.09.2015 ging es um das Thema : Moderne Minen – Design for Recycling!

Die Podiumsdiskussion fand im designxport in der Hafencity statt. Ich durfte dabei sein und fotografieren. Am Ende des Artikels findet ihr ein Mitschnitt der ganzen Diskussion, die ich Euch wärmstens ans Herz lege. Interessante Fragen wurden am dem Abend behandelt und auch über Lösungsansätze wurde gesprochen.

Für mich ist es immer ein wenig frustierend zu erkennen, dass man die industriellen Konsequenzen eh nicht mehr wirklich rückgängig machen kann, denn produziert wird unermüdlich. Und auch konsumiert wird ohne ein Ende in Sicht. Der Verbraucher wird mit immer attraktivieren Angeboten gelockt und weiß kaum etwas über die Produktionsbedingungen. Weder die Produktion noch die Entsorgung wird transparent für das Volk gestaltet. Alter Hut? Keine neue Erkenntnis? Mir ist es bewusst – Dir auch?

Ich möchte mich nicht als Gutmenschen hinstellen und auch nicht mit dem Finger auf jemanden zeigen, jedoch bin ich schon erschrocken über die Kaufwut der Menschen.
Es gibt viele Verlockungen, das ist mir klar. Warum soll man ein gebrauchtes Notebook kaufen, wenn es ein neues für etwas mehr Geld und einer 2jährigen Garantie gibt?
Dass aber ein 9 Jahre altes Gerät vermutlich länger hält als ein neues ist vielen nicht bewusst.

Stellt Euch ein xbeliebiges Küchengerät von Euren Eltern vor. Irgendeins! Wielange steht dies schon dort und leistet treu seine Dienste?! Ich befürchte es wäre zu einfach das Konsumverhalten nur auf eine Generation zu beschränken, aber eine Tendenz erkenne ich schon.
Es gibt zahlreiche Texte über Themen wie Materialismus und den Zusammenhang zum kurzweiligen Glück. Ich werde sie Euch in anderen Artikeln auf jeden Fall vorstellen, nur hier würde es wohl den Rahmen sprengen. Wer doch einen kurzen Überblick möchte findet hier ein passenden Einstieg.

_DSC0193

Im Grunde trifft mein Ansatz aber nicht ganz den Kern dieser Diskussion, denn heute ging es mehr um das Thema Elektroschrott.
Insbesondere aus der Perspektive des Gerätedesigns kann man schon viel vorausschauender entwickeln.  Vor allem Computer und Handys sorgen für die enorme Elektroschrottproblematik Das „Design“ ist fast ausschlaggebend für die Lebensdauer eines Gerätes. Natürlich ist es weiterhin wichtig, dass hochwertiges Material verwendet wird. Das passiert schon in den meisten Fällen, nur lässt sich dieses schwer recyclen bzw wiederverwenden. Nicht, dass es nicht machbar wäre – nein es durch die Gesetzeslages nur äußerst unbequem für den Hersteller.
Es fehlt schlichtweg passendes Marketing für das Recycling, so dass Unternehmen den Anreiz haben Produkte in ihre Bestandteile aufzulösen und in anderen Geräten weiterzuverarbeiten.
Eine andere Idee wäre, die Rohstoffe (die nebenbei bemerkt teilweise sehr wertvoll sind) zu verkaufen.

_DSC0202

Es kamen gute Anregungen und Fragen aus dem Publikum, die mich teilweise sehr erfreut haben. Denn es gibt sie – die aufgeklärten und interessierten Menschen!
Sie haben gute Ideen und kritisieren nicht nur die Politik, die Wirtschaft oder auf wen man die Schuld noch schieben könnte, sondern fangen bei sich selbst an.

Mir kam eine Überlegung, die vielleicht aus wirtschaftlicher Sicht nicht sofort eine Bereicherung ist, aber für den einzelnen Menschen einen Vorteil bringen könnte.
Ich habe ein 30 Jahre altes Auto, welches absolut zuverlässig und mir wirklich sogar sehr ans Herz gewachsen ist. Ein so altes Auto gilt als Oldtimer und wird unter ein paar Bedingungen als erhaltenswert eingestuft wird. Man erhält ein H-Kennzeichen, welches mir als Halter dieses Fahrzeuges einige finanzielle Vorteile bietet.

Warum nicht solche Konzepte auch auf die Elektronik Industrie anwenden? Wenn ich mit meinem schwarzen Mac Book in den Apple Store gehe, weil mir wieder eine Taste abhanden gekommen ist, werde ich fast wie eine Kunstsammlerin behandelt, denn diese Geräte sind Raritäten. Sie zeichen sich durch Langlebigkeit aus und bestehen aus hochwertigen Materialien.

MacBook

Nun wie kann so eine finanzielle „Belohnung“ aussehen und was hätte der Konzern davon, wenn Verbraucher sich seltener ein Notebook zulegen, weil das aktuelle sich im Besitz befindende, keine Mängel aufweist? Ich würde zunächstmal behaupten, dass das wohl die beste Werbung ist! Das ist das überzeugenste Argument für mich. Ein Gerät hält lange und Du musst Dich nicht nach 2 Jahren mit dem Gedanken befassen – und was kaufe ich mir nun? Nein, Du kannst sorgenfrei mit dem Teil arbeiten ohne den Gedanken im Hinterkopf, dass nun bald die gesetzliche Garantie ausläuft. Stichwort geplante Obsoleszenz.

Es könnte meines Erachtens eine deutliche Verlängerung der Gewährleistung Pflicht werden.
5 Jahre halte ich für absolut angemessen, fair und realistisch. Weiterhin wäre eine Idee die Unternehmen in die Pflicht zu nehmen, defekte Geräte wieder zurück zu nehmen und zu reparieren. Danach wäre ein Verkauf über ein Gebrauchthandel denkbar. Die Firmen und Hersteller hätten fortan treue und zufrieden Kunden, die höchstwahrscheinlich ein Leben lang an ihrer Seite sind. Der Kunde fühlt sich gut aufgehoben während er sich auf die wesentlichen Dingen konzentrieren kann und nicht immer mit einem Auge auf das nächste Schnäppchen schielt, weil er nicht weiß, wann sein Gerät den Geist aufgibt.

_DSC0176

Vielleicht habe ich Euch ein wenig zum Nachdenken angeregt und es geschafft einen Prozess ins Rollen zu bringen, der einen Wandel in Hinblick auf Konsum und Langlebigkeit voran bringt. Möglicherweise habt Ihr noch ein paar Gedanken und Ideen zu diesem Thema!? Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn Ihr mir diese mitteilt und Euch noch zum Schluß den Mitschnitt des Abends reinzieht. Tolle Leute mit guten Absichten sind zu sehen.